kiwicube




Science 11. Oktober 2016

Ist die Zukunft berechenbar?
Wir leben in einer freien Welt, in der jeder für sich entscheiden kann, was er macht und wohin er will. Es ist die eigene Entscheidung, ob man etwas mag oder etwas nicht mag. Jeder Mensch hat einen freien Willen. Doch stimmt das überhaupt, oder ist die Zukunft und alles im Universum berechenbar?

Zukunft ist die Zeit, die nach der Gegenwart folgt. Dabei wissen wir Menschen nicht, was am nächsten Tag passiert, werden die meisten von euch jetzt denken. Häufig haben wir nur einen „Plan“, was wir alles machen wollen. Ob wir es dann tatsächlich schaffen, entscheidet sich in der Zukunft, die dann die Vergangenheit ist. Doch schon jetzt berechnen wir Teile der Zukunft. Alle Wettervorhersagen sind Berechnungen, die Aufschluss über die Zukunft geben und diese werden immer genauer. Aber so lässt sie die Frage, ob die Zukunft berechenbar ist, nicht beantworten. Hierfür schauen wir einmal etwas in die Vergangenheit.

Eine antike Frage

Bereits die alten Griechen stellten sich die Frage, ob die Zukunft vorbestimmt ist. Der griechische Philosoph Platon war der Meinung, dass alles auf unserer Erde zyklisch passiere. Ähnlich wie die Planeten um die Sonne kreisen, wiederholen sich die einzelnen Ereignisse auf unserer Erde ebenfalls. Somit wäre alles genau vorbestimmt und es gebe keinen freien Willen.

Die Christen sahen die Zeit eher linear, jedoch auch vorbestimmt. Sie waren der Meinung, es gebe einen Anfang allerdings kein Ende und keine Wiederholungen. Nach dieser Vorstellung gibt es die Geburt, das Leben, den Tod, die Auferstehung und das ewige Leben. Ähnlich wie ein Lichtstrahl.

Die Antwort der Moderne

Im Laufe der Jahrhunderte stellten sich immer wieder Philosophen und Wissenschaftler diese Frage. Mitte des 18. Jahrhundert glaubte man schließlich, die moderne Wissenschaft habe die richtige und perfekte Antwort gefunden. Die Antwort ist Determinismus, was bedeutet, dass alles was passiert eine bestimmte Ursache hat. Das heißt, nichts in unserem Universum passiert einfach so. Der französische Mathematiker Pierre-Simon Laplace meinte, die Zukunft sei exakt berechenbar, wenn es eine Intelligenz gibt, die die genauen Zustände und Kräfte aller „Dinge“ kennt. Diese Vorstellung nennt man Laplacescher Dämon. Laplace schrieb dazu: „Nichts wäre für die Intelligenz ungewiss, die Zukunft und Vergangenheit lägen klar vor ihren Augen“

Als Grundlage für den Laplacescher Dämon dient Newtons Erkenntnis über die Wechselwirkung von Kraft und Bewegung. Ähnliches erklärte Einstein, der die Aussage: „Gott würfelt nicht“, vertritt. Damit ließe sich nach Einstein und Laplace die Zukunft eindeutig berechnen, wenn man alle Zustände und Wechselwirkungen kennt.

Dass das Berechnen nicht ganz so trivial ist, sollte jedem bewusst sein, ansonsten würde die Welt heute ganz anders aussehen und Glücksspiele würde es wohl kaum noch geben. Dennoch fesselt die Idee eine Weltformel (Englisch TOE für theory of everything) noch immer zahlreiche Physiker. Sie alle wollen die Gesetze der Physik, sprich sämtliche uns bekannte Wechselwirkungen, zusammenfassen, um damit alles gleichzeitig zu beschreiben. Ähnlich wie es sich Laplace gedacht hatte, könnte man so die Zukunft vorausberechnen. Demnach hätten wir Menschen keinen freien Willen und wären nur ein Haufen kleiner Teile, die den Gesetzen der Physik aufeinander folgend reagieren.

Gott würfelt doch!

Diese Vorstellung, besser gesagt Theorie, weißt allerdings schnell Probleme auf, wenn man sich einmal mit der Quantenphysik befasst. Dort zeigen Teilchen auch bei exakt gleichen Bedingungen unterschiedliche Reaktionen. Zudem kann sich das Verhalten von Quanten ändern, wenn sie gemessen oder beobachtet werden. Es ist also nicht exakt vorhersehbar, was unter bestimmten Voraussetzungen passieren wird. Hier können lediglich Wahrscheinlichkeiten angegeben werden.

Eine passende Ergänzung hierzu ist Schrödingers Katze. Dabei handelt es sich um ein Gedankenexperiment des österreichischen Physikers Erwin Schrödinger, der aufzeigen wollte, zu welch absurden Dingen die Vorstellung der Quantenmechanik beziehungsweise Quantenphysik führt. Wir können schlichtweg nicht den genau Zustand der Teilchen (Quanten) bestimmen, wodurch eine Berechnung der Zukunft unmöglich wird. Es ist also die Heisenbergsche Unschärferelation welche besagt, dass wir gewisse Informationen, wie etwa den (Anfangs)zustand, nie exakt bestimmen können. Einsteins Aussage „Gott würfelt nicht“ lässt sich deshalb nicht mit der Quantenphysik vereinbaren. Man könnte eher sagen: „Gott gibt bestimmte Wahrscheinlichkeiten und der Rest ist Zufall.“. Du kannst also beruhigt sein, denn es steht nicht fest, was morgen passieren wird und dein Wille ist und bleibt frei.
Titelbild: Fernando Silveira CC CC BY-NC-SA 2.0


Marcus Willner | Founder 671 Wörter


noname