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Economy 15. September 2016

Elektroschrott wird zu Kunst
Jedes Jahr das neuste iPhone, ein passender Fernseher, weil der Alte zu klein ist, und der PC ist auch schon wieder so langsam, dass man sich bereits nach einem Neuen umschaut. Die Folge, die Berge an Elektroschrott steigen rasant an, was zu einem immer größeren Problem wird, denn nur ein kleiner Teil wird dabei tatsächlich recycelt.

Allerdings ist nicht immer die Schuld auf den Verbraucher zurückzuführen. Schaut man sich einmal den Smartphonemarkt an, stellt man fest, dass Geräte immer mehr Sollbruchstellen haben. Akkus sind bereits nach gut einem Jahr am Ende, das Display ist gebrochen oder etliche andere Probleme, die eine Vielzahl der Nutzer kennen, tun sich auf.

Reparieren ist dabei häufig schwierig oder rentiert sich schlichtweg nicht. Aus diesem Grund ist der Griff zu einem neuen Model nicht mehr weit. Doch was passiert mit dem alten Gerät? Statt es angemessen zu entsorgen, landet es im Hausmüll oder an anderen Orten, wo es nicht hingehört.

Kaum Recycling bei Elektroschrott

Allein in Deutschland kommen so jährlich mehr als 1,8 Millionen Tonnen Elektroschrott zusammen. Das entspricht circa 21,6 Kilogramm pro Person. Das Erschreckende, lediglich etwas mehr als 30 Prozent davon werden richtig entsorgt beziehungsweise recycelt. Der Rest wird zu einem Problem für Mensch und Natur, da giftige Stoffe in die empfindlichen Ökosysteme eindringen.

Zwar gibt es bereits Gesetze, die dieses Problem in den Griff kriegen sollen, funktionieren tun diese dennoch nur in geringen Maßen. So erklärte die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: „Je mehr Stellen es gibt, an denen Verbraucher die Geräte zurückgeben können, desto mehr wird recycelt – weil weniger im Restmüll oder im illegalen Export landet.“ Man muss es dem Verbraucher dementsprechend einfacher machen, seine Produkte richtig entsorgen zu können.

Neben der politischen Seite versuchen sich auch Firmen diesem Problem zu widmen. Ein relativ neues Beispiel ist dabei Apple. Das kalifornische Unternehmen bietet unter dem Namen Renew ein Programm zu Recyceln deines Apple-Produkts an. Gibt man beispielsweise sein altes iPhone zurück, bekommt man im Gegenzug etwas Geld und tut dabei etwas Gutes für die Umwelt. Durch die Rückgabe kann Apple seltene Stoffe recyceln und so für neue Generationen verwenden.

Aus Schrott wird Kunst

Eine etwas kreativere Form von Recycling findet man hingegen in Berlin. Dort wird aus Elektroschrott wahre Kunst. Verantwortlich ist dafür Muharrem Batman, der gemeinsam mit seiner Schwester Ayse aus dem „Müll“ etwas Neues zaubert. Angefangen hat alles vor über 14 Jahren mit einem eigenen Elektroladen, den Muharrem im Stadteil Neuköln eröffnete. Irgendwann kam ihm dann eine Idee, weshalb er sein Schwester Ayse dazu überredete etwas aus dem Elektroschrott zu basteln. Damit war der Grundstein gelegt. Immer mehr Köpfe aus alten Platinen oder Kleider aus Tastaturen entstanden. Der Kreativität sind und waren dabei keine Grenzen gesetzt.

Mittlerweile läuft die Kunst sogar besser als der eigentliche Laden wie Muharrem Batman meint. Im Laufe der Zeit wurden die Werke zu einem echten Renner, was Batman sehr freut. Erst letzte Woche wurden einige Skulpturen bei Electronics Goes Green 2016+ in Berlin ausgestellt. Neben der Kunst repariert der leidenschaftliche Berliner tot geglaubte Technik und gibt ihr wieder ein Leben. Ihm geht es darum, Geräte, egal ob durch seine Reparaturen oder seiner Kunst, wieder in den Kreislauf zurückzubringen.

Dank seiner Idee bekommt so die ein oder andere Platine ein zweites Leben. Zwar werden durch die Kunst keine Rohstoffe für neue Produktionen wiederverwendet, jedoch wird Dank dieser Skulpturen keinem geschadet und die Umwelt bleibt ein Stückchen gesünder. Und vielleicht überlegst auch du dir, ob du dir beim nächsten Displayschaden direkt ein neues Handy kaufst, oder ob eine Reparatur nicht doch ausreicht.



Quellen
Märkische Online Zeitung
Elektroschrottkunst
Statisa
Bild
Titelbild: Fairphone CC BY 2.0


586 Wörter Marcus Willner | Founder


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